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Susanne Weikl
Praxis für Selbstheilung und Lebensgestaltung

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Mongolei – eine Reise in die weite Steppe

 

Meine Seele wollte unbedingt in dieses Land und jetzt verstehe ich sie!
Sie war so hartnäckig, dass selbst der Teil von mir der Angst vor Kälte und Wildnis hatte und von der Zivilisation verwöhnt ist, so neugierig auf die Kräfte dieses Landes wurde, dass er sich zu dieser Reise überwunden hat. Zum Glück!

Lebensweisheiten:
 „Als der Himmel die Zeit erschuf, hat er davon genug erschaffen. Das ist unsere Grundhaltung zum Leben.“
Du kannst essen, trinken, vergessen oder entdecken, erinnern und tun.
Es ist gut, es wird gehen, wir werden sehen (Aussage des LKW-Fahrers, ob denn die Ladung auf dem überfüllten LKW halten wird. Tatsächlich ist dann das Holzgestell 5 Mal unterwegs runtergeflogen und der LKW 6 Mal im Sand stecken geblieben. So ist die Mongolei – macht nichts, es geht schon! Und es geht immer!!!!

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Was ist überhaupt die Steppe? Eigentlich hatte ich keine Vorstellung davon. Sie dient den Tieren als Nahrung und soll vor vielen Jahren richtig grün gewesen sein. Jetzt ist sie bedeckt von Steinen und Sand und bewachsen von wenig Gras, einer Irisart, die im Frühling blau-lila blüht,  Kräutern, wie z. B. Beifuss, Süssholz, Pfefferminze, Ackerschachtelhalmen, sowie anderen die nur die Mongolen kennen und dem dornigen Erbsenstrauch, dessen golden schimmernde Zweige gute Dienst zum Anzünden von Feuer leisten.
Wenn man durch die Steppe wandert, findet man überall Knochen von Tieren. Am Anfang haben wir alle Knochen und Hörner angeschleppt, weil wir dachten, wir hätten vielleicht Funde von Dinosaurierknochen gemacht, doch schon ein 10 Jahre alter Yakknochen war für mich eine Sensation. Bald merkten wir, dass diese Knochen eben Reste vom Picknick sind.
Interessant sind nur die Sprunggelenksknochen, sie können wunderbar zum Orakeln benutzt werden. Übrigens sind die Steine die Knochen der Berge.

Zum Feuermachen gibt es neben dem Erbsenstrauch und Tierdung wenig Holz von Espen oder Weiden. Die Mongolen sind Meister im Feuermachen, selbst im eisigen Wind auf dem Hochplateau des Altai, gelingt es ihnen ein Feuer zu entfachen. Dabei verwenden sie statt Papier, Kräuter, die sie aus Mäusehöhlen holen, die die Tiere schon als Wintervorrat gesammelt haben. Kräuter und Tierdung bis ich es mit eigenen Augen gesehen habe, für mich unvorstellbar, dass damit ein warmes und lang anhaltendes Feuer zustande kommen kann. Zum Kochen im Freien werden 3 große Steine so gelegt, dass in deren Mitte ein Feuer entfacht werden kann und auf den Steinen ein Topf in der Form eines Wok Platz findet. Wasser wird aus dem Fluss oder Bach geholt und bald schon gibt es warmen Tee.
Bis 1945 gab es offenes Feuer in der Jurte. Es ist der Geist der Jurte der gefüttert werden muss. Als die ersten Öfen kamen, kam mit ihnen die Frage: Warum sperrt ihr das Feuer ein? Otma, unser fleißiges Küchenbienchen hat immer gefragt: „Großes oder kleines Feuer, schnelles oder langsames Feuer. Wir haben dazu die Skala unseres Elektroherdes.

Das traditionelle Kleidungsstück ist der Deel. Eine Art Mantel, der fast bis zum Boden geht, weit und gerade geschnitten ist, weite Ärmel hat, an 3 Stellen zugeknöpft wird und dann mit einen festen Band in Hüfthöhe gebunden wird. Er schützt vor Wind und Kälte, dient als Sack zum Sammeln von Dung und Feuerholz,  ist ein Schutzwall vor dem Wind beim Feuer machen, ist Unterlage und Schlafsack zugleich und je nach Jahreszeit und Anlass aus Wolle, Leder oder Seide. Der Alltagsdeel ist braun, für die Feste wird leuchtendes Blau bevorzugt.

Filz ist ein Multifunktionstalent. Gefilzt wird von Hand. Leider konnte ich nicht alle Arbeitsschritte sehen. Nach dem Scheren der Schafe wird die Wolle vor der Jurte ausgebreitet, per Hand auseinander gezupft und dann mit Stöcken geschlagen, damit sie elastischer wird und vom Schmutz befreit wird. Dabei durften wir einer Nomadenfamilie helfen. Der gesamte Prozess des Filzens geschieht im Freien und es muss trocken und windstill sein. Leider hat es am nächsten Tag stark gewindet und so konnten wir nicht sehen, wie aus der Wolle, zusammen mit Wasser und der Hilfe der Pferde Filz entsteht.
Filz ist nicht nur für die Kleidung notwendig. Filz ist die wärmende Hülle der Jurte, ist Unterlage zum Schlafen oder Sitzen und Hilfe zum Wärmen von Speisen. Die Nomadenfrauen machen im Winter die Stiefel der ganzen Familie selber aus Leder und Filz. Sind robust und warm.

 

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Was ist eine Jurte? Eine wunderbare Art zu wohnen. Die Größe einer Jurte wird in der Anzahl der Scherengitter angegeben, die es bedarf um einen Kreis zu bilden. Zwischen 4 und 8 solcher Gitter aus Holz bilden einen Kreis, als Grundgerüst der Jurte. So entsteht eine Wohnfläche von 10-20 m². Die Scherengitter werden mit dicken Filzteppichen belegt um die Bewohner vor Wind und Kälte zu schützen. Gleichzeitig ist die Jurte ein schattiges Plätzchen in der Mittagshitze.
Die Schnüre mit denen die Filze festgebunden werden, dienen als Wäscheleine. In der Mitte der Jurte steht der runde Holzofen, dessen Kaminrohr oben herausragt. Wenn er beheizt wird ist es in der Jurte im Nu mollig warm. Eine Jurte hält ein Leben lang. Sie ist das Wohnhaus der Nomaden. Der Eingang ist immer im Süden und im Norden der Jurte ist der heiligste Platz. Hier ist der Altar, Fotos, Medaillen vom Pferderennen, sowie der Sitzplatz für besondere Gäste oder dem Familienoberhaupt. Rechts vom Eingang ist der Haushaltsbereich. Hier wird der Käse gemacht, da steht das Regal mit den Thermoskannen mit Buttertee, die Kannen mit Milch, Joghurt oder Käse, sowie die Töpfe und Schälchen. die linke Seite dient zum Trocknen des Fleisches, als Schlafplatz und zum Aufbewahren der Kleidung. Heutzutage haben sie meisten Jurten einen Fernseher im Norden stehen und um ihn zu betreiben einige Solarzellen auf dem Dach. Der Boden der Jurte ist von Filzteppichen oder Holzpanellen bedeckt. Für mich unglaublich, wie hier eine Familie auf so engen Raum zusammenleben kann. Jahr für Jahr! Da lernt man sich Abzugrenzen.
Spannend und gewöhnungsbedürftig ist die Duftmischung in einer Jurte. Da riecht man Milchtee, gekochtes Fleisch oder Innereien, Trockenfleisch, weiße Speisen (Milch, Käse, Joghurt), Rauch des Feuers, Wodka.
Rohes essen Nomaden nicht, warum – weiß ich nicht!
12 Mal im Jahr zieht eine Nomadenfamilie um. 350 km legt sie zurück. Eine Umzugsstrecke beträgt zwischen 50 – 120 km. Der Abbau der Jurte dauert 1,5 Stunden.
Während meiner Zeit in der Mongolei haben wir zu sechst eine Jurte bewohnt, jeder hatte gerade 2 x 1 Meter für sich, Schlafplatz und Rucksack, in der Mitte der Ofen. Einmal hab ich im Zelt geschlafen, das war komisch, fühlte sich an wie in einer Plastiktüte zu liegen, Schlafen in der Jurte ist viel schöner! Leider sind die Jurten nur für trockenes Klima geeignet, sonst würde ich mir im Garten eine aufstellen. Nach 3 Wochen Jurtenleben, war es schon sehr seltsam wieder in einem geschlossenen Raum zu sein.
Die Nomaden sagen die Erde hat Elektrizität, deshalb legen sie sich direkt auf die Erde,  untertags zum Ausruhen und in der Nacht zum Schlafen.

 

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Zaja, unsere Dolmetscherin, eine junge Frau, 22 Jahre, die gerade ihr Germanistikstudium abgeschlossen hat. Ihre Eltern wurden in der Zeit des Sozialismus vom Land in die Provinzhauptstadt umgesiedelt um in der Traktorfabrik zu arbeiten. Die Großeltern leben als Nomaden auf dem Land. Sie sagt das Leben in der Stadt ist bequem, das Leben auf dem Land ist schön. Eigentlich möchte ich beides haben. Wenn ich als Lehrerin arbeite muss ich in der Stadt leben, meine Seele will das nicht. 1 Jahr hat sie während eines Praktikums in der Schweiz gelebt. Zuerst war sie beeindruckt von den vielen Sachen und den großen Wohnungen. Dann hat sie gemerkt, dass die Seele dieser Menschen weint und hat gesehen wie glücklich die Seele ihrer Großeltern ist, trotz des harten Lebens als Nomaden in der Steppe.
Zaja zu erleben ist eine Freude. Sie ist wie ein Kind, lebt im Augenblick, ist fröhlich, verspielt, voller Vertrauen, wundergläubig und sehr intuitiv.
Ihre Großmutter konnte 300 verschiedene Milchspeisen herstellen. So gibt es z. B: Möglichkeiten Käse oder Quark so zu verarbeiten, dass er den ganzen Winter über hält.  Sie sagte mir, unsere Jurten sind rund, da fließt die Energie. Ihr habt Ecken in eueren Häusern und ihr stellt euere Betten in die Ecken, das ist nicht gut. Die Nomaden leben in der runden Welt und die Städter lebt in der eckigen Welt.

 

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Batja, unser mongolische Fahrer, will wissen warum ich kein Fleisch esse. „Du ißt kein Fleisch, deshalb ist dir bei diesem Wetter kalt.“ Ich erzähle ihm wie die Tiere in unserem Land aufwachsen, behandelt und geschlachtet werden. Da kann er verstehen, dass ich kein Fleisch esse. Er sagt Tiere haben eine Seele. Man darf sie nur töten, wenn man vorher ein Gebet spricht und um Hilfe bittet, dass sie ohne Angst sterben, sonst hat das Fleisch schlechte Energie. 1 Schaf reicht einer Familie für 2 Wochen.
Er erzählt mir, dass es für jedes Tier ein Heillied gibt, wenn es krank ist. Das lernen die Kinder sehr schnell und sie wissen auch, dass man den Duft eines Jungtieres, dessen Mutter gestorben ist ändern muss, damit es ein anderes Muttertier annimmt und dann muss man singen. Die Kinder der Hirten haben eine besondere Begabung die Tiere auseinander zu halten, sie wissen welches von welcher Mutter abstammt, welchen Charakter es hat, wie alt es ist.
Dazu muss man wissen, dass Batja auch Jäger ist. Auf dem Hochaltai hat er ein Murmeltier gejagt und wenn Jäger wissen, heute haben sie Jagdglück, dann sind sie ganz in ihrem Tun versunken und alles um sie herum ist ausgeblendet. So saß ich tiefgefroren im eisigen Wind auf dem offenen LKW in 3000 m Höhe und wir haben alle 1 Stunde oder mehr? „geduldig“ gewartet bis Batja dieses Murmeltier erlegt hat. Was ist Zeit?
Der Unterschied zu den Mongolen ist der, dass sie lachen und scherzen und reden und so gar nicht mehr daran denken dass es kalt ist. Mach aus jedem Augenblick deines Lebens das Beste! Du hast die Wahl: Lachen oder Jammern.

 

Viele Besucher stellten sich bei uns im Jurtenlager ein.

 

Ein Eposerzähler war da. Eine Familie lädt einen Eposerzähler zu sich in die Jurte ein und als Zeichen, dass er willkommen ist, stellen sie zuerst für einige Tage sein Instrument in ihrer Jurte auf. Das Erzählen des Epos dauert 3 Tage, jeweils 3 Stunden am Abend. Man sitzt gemeinsam im Kreis und träumt zusammen die Heldenkraft des Epos. Vielleicht eine gemeinsame schamanische Reise?

Der Geschichtenerzähler hat uns über das Brauchtum berichtet, das Heiraten und Gebären in der Jurte und das die Mongolen ihren Stammbaum bis zu 9 Generationen zurück kennen. Sie vermeiden so innerhalb der eigenen Sippe zu heiraten und deshalb sind die Mongolen  so stark und zäh. Überhaupt verehrt jeder Mongole Dschingis Khan und man hat den Eindruck die mongolische Zeitrechnung hat erst mit Dschingis Khan begonnen.

 

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Schafzen, eine buddhistische Schamanin hat unser Jurtenleben bereichert. Sie ist über 80 Jahre alt und gilt als besonders weise Frau und heiliger Mensch. Sie sagt sie habe die heiligen Schriften in ihrem Körper, ihrer Seele und in ihren Gebetsketten. Meine erste Begegnung mit ihr war am Flughafen. Sie sprach mich an und ich wusste nicht wer sie ist, bis sich ein junger Mongole als Übersetzer dazwischen schaltete. Die Herzenswärme die von ihr ausgeht ist unbeschreiblich. Am liebsten möchte man sein Haupt in ihren Schoß legen und alles wird gut. Kaum hat es sich herumgesprochen, dass sie am Flughafen ist, schon kommen Menschen und bitten um ihre Hilfe. Der eine bekommt ein Kräuterpulver für seine Kinder, der andere einen Segen für seine Reise und die nächste einen Hinweis für die Heirat der Tochter. Dazwischen hat sie noch Zeit zu sagen, dass wir sie besuchen sollen und meine Gebetskette zu segnen. Doch dann macht sie sich einige Tage später auf den Weg und besucht uns. Am Abend macht sie mit uns ein Ritual und erbittet den Segen des Altai, damit wir den Weg zur inneren Weisheit finden. Am nächsten Morgen um 06.00 Uhr, kurz vor Sonnenaufgang darf ich sie bei ihrem Morgenritual begleiten. Wir sitzen in der Steppe und sie bekräftigt mit ihrem Ritual wie jeden Morgen ihre Hingabe der Welt zu dienen, dann werden die Elemente und die Gestirne geehrt und eine Loblied auf den Altai gesungen. Danach hat jeder die Gelegenheit alleine mit ihr zu sprechen. Sie ist bekannt für ihre Orakelfähigkeiten.

 

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Am Nachmittag kommen die Musiker. Ein Akkordeonspieler, 2 Pferdekopfgeigenspieler (Opa und Enkel). Auf der grünen Wiese feiern wir ein Fest mit anderen Nomadenfamilien. Es gibt Schaf in der Milchkanne. Am morgen wurde ein Schaf geschlachtet und zerteilt. Im Feuer wurden große Steine erhitzt bis sie glühen. Dann wurden Steine und Fleisch in eine Milchkanne geschichtet und nach mehreren Stunden ist das Essen bereit. Alle sitzen im Gras, das Fleisch wird auf großen Tellern verteilt und mit den Händen gegessen. Zuvor muss man die heißen Steine zwischen den Händen hin und her bewegen, solange bis es im Nacken kribbelt, das soll die Energie zum Fließen bringen.
Schafe schlachten lernt jedes Kind. Es geht ganz geräuschlos und andächtig von statten. Alles wird verwertet. Die Augen glänzen wenn die große Platte mit den gekochten Innereien auf den Tisch kommt und der Fettschwanz des Schafes ist eine ganz besondere Delikatesse und soll besonders viele Nährstoffe enthalten. Wir frühstücken und es wird nebenher ein Tier geschlachtet, das gehört zum Alltag einfach dazu.
 
Sengee, der Theaterleiter, übt mit uns Kehlkopfgesang – A-E-I-O-U. Wenn man husten muss und es im Hals kitzelt, dann macht man es richtig. Kehlkopfgesang ist die Verbindung von Kopf und Herz, sagt Sengee. Man will die Natur nicht nachmachen, sie soll sich im Gesang wieder spiegeln. In der Volksmusik gibt es keine Noten und Lehrer, du bist dein eigener Lehrer, bist selber kreativ und singst und spielst die Melodie die jetzt aus dir heraus will.
 

 

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Jostahuu, Arzt der traditionellen mongolischen Medizin, war mit uns im Jurtenlager. Er hat uns sehr viel über seine Medizin erzählt. Als sich jemand aus unserer Gruppe beim Reiten einen Lendenwirbel ausgerenkt hat, durfte ich ihm beim Behandeln zusehen. Massage war das Mittel der Wahl. Ganz sanftes Dehnen des Gewebes und ganzheitlich, d. h. es  wurden die vom Reiten erschütterten Nieren und die Reflexzonen in Hände und Füße miteinbezogen. Dazu noch deutsche Homöopathie und bald ging es ihr besser. Akupunktur, Aderlass, Schröpfen und Kräutermedizin sind weitere Säulen seiner Arbeit.

Wie läuft ein Besuch bei einer Nomadenfamilie ab?
Man wandert durch die Steppe, sieht eine Jurte und geht darauf zu. Bald schon wird man erspäht und in die Jurte gewunken. Als Frau hab ich immer links vom Eingang einen Platz zugewiesen bekommen. Blitzschnell hat man eine Schale Milchtee vor sich stehen. Jetzt ist es Zeit die Gastgeschenke zu überreichen, ein Tuch, eine Haarspange oder Stifte für die Kinder. Inzwischen hat die Hausfrau schon die Milchkanne mit Joghurt, Quark, Käse von Ziege, Schaf oder Yak vor mich hingestellt und fordert mich auf zu essen, Bouds (Teigröllchen in Fett gebacken) stehen auch schon bereit und werden mit den weißen Köstlichkeiten zusammen gegessen. Jede Familie hat ihre eigene Art der Zubereitung der weißen Speisen. Milchprodukte sind neben dem Fleisch die Hauptbestandteile der Ernährung der Nomaden. Es gibt 300 verschiedene Arten Milchspeisen herzustellen. Arun ist die haltbarste Version. Ein getrockneter Käse, total hart, nicht zu beißen, er wird in die Backentasche gelegt und es dauert einige Stunden bis er sich allmählich auflöst. Er wird als Wegzehrung für untertags genommen und macht gut satt. Sobald man ein bisschen gegessen hat werden die Familienfotos und die Medaillen vom Reiterfest gezeigt und müssen entsprechend gewürdigt werden.
Wenn wir als Gruppe eine Nomadenfamilie besucht haben, dann wurden uns nach den Milchspeisen Fleisch und Innereien angeboten und zum Schluss wurden Segens- und Trinksprüche in den Kreis gegeben, bevor das Familienoberhaupt dann den Besuch für beendet erklärt.


Ziegenmelken, das ist eine Aufgabe. Erstmal muss die Herde zusammen getrieben werden. Dann werden die Ziegen nebeneinander mit einem Seil festgebunden und dann gemolken. Wir waren erstaunt wie wenig Milch freilaufende und „unmanipulierte“ Ziegen geben und wussten umso mehr zu schätzen wenn wir Joghurt oder Käse angeboten bekommen haben.

Die Namensgebung eines Kindes ist ein besonderes Ritual. Nach dem 7. Tag seiner Geburt bekommt das Kind einen Namen, entweder vom Lama oder der Nabelmutter oder es wird orakelt. Namensvorschläge werden in eine Schüssel mit Reis gelegt und die Mutter schüttelt so lange bis ein Namenszettel oben liegt. Es gibt nur Vornamen in der Mongolei. Wenn ein Kind viel krank ist, wird der Name gewechselt, denn er ist dann zu schwer für ihn. Manchmal bekommt er auch vorübergehend den Namen eines Tieres, z. B: Schaf oder Ziege, das verwirrt die bösen Geistern und sie lassen diesen Menschen dann in Ruhe und er kann wieder zu Kräften kommen.

 

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Auf dem Dach der Mongolei sein – im Altaigebirge. Der Altai ist der Ausdruck des Göttlichen für die Mongolen. Begleitet wird der Weg dahin von einigen Owoos. Das sind heilige Orte und jeder Reisende muss sie 3 x umkreisen und dabei 3 Steine ablegen. Owoos sind aufgeschichtete Steine, die mit blauen Schals und den großen Hörnern der Wildziegen geschmückt sind.
Auf einem Hochplateau im Altai ist mein größter Wunsch für die Mongoleireise in Erfüllung gegangen – einem Wolf in freier Wildbahn zu begegnen. Das ist etwas ganz besonders, ist doch der Wolf das Krafttier der Mongolen. Dafür wollten wir den Geistern Dank sagen und haben ein Ritualfeuer angezündet. Der Wind war in seinem Element und Jostahuu zeigte uns wie man mit Dung, Kräuter (die hat er aus den Mäuselöchern geholt, sie waren schon trocken und konnten statt Papier benutzt werden) und dem berühmten Deel (als Schutzwall) ein wunderbares Feuer machen kann. So sagen die Nomaden Dank an ihren Gott, das Altaigebirge.

Überhaupt sind die Nomaden ein stilles Volk und sehr bedächtig. Sie strahlen Ruhe aus, reden lieber weniger, sind sehr widerstandsfähig und geistig sehr beweglich. Und so ist die Steppe ein Ort der Ruhe. Menschen und Natur im Einklang. Wie lange noch?
Immer mehr Nomaden ziehen in die Hauptstadt oder werden Goldsucher. Sie bekommen nicht genug Geld zum Leben für den Verkauf ihrer Tiere oder der Tierfelle. Seit der Fernseher in den Jurten Einzug gehalten hat, verlieren viele Traditionen wie Eposerzählen, Musizieren, Volkslieder singen an Bedeutung. Die westliche Kleidung erscheint erstrebenswerter als Deel und Filzstiefel.
Amelie Schenk, die Kulturforscherin mit der ich diese 3 Wochen verbracht habe, hörte immer wieder von unseren Besuchern, gut dass du alles erforscht und aufzeichnest, so bleibt dieses Kulturgut erhalten. Doch Kulturgut erhalten und Kulturgut leben ist was anderes. So bin ich sehr dankbar, dass mir die Mongolen in der Steppe noch mit kraftvoller Stimme und voller Inbrunst Loblieder auf ihren Altai, die Steppe und die Flüsse vorgesungen und gelernt habe und ich die Kraft spüren durfte. Ich habe die Steppe erlebt ohne geteerte Straßen, ohne Wasserkraftwerke, ohne Strommasten, ohne Handyempfang. Nur so kann man die Steppe singen hören.

Ich bin nicht erfroren auch nicht verhungert, im Gegenteil die Geister haben gut für mich gesorgt. Ich habe erstaunt festgestellt, dass es einen Teil von mir gibt der in der Wildnis leben will. Der sich mit den Urkräfte jenseits der menschlichen Spuren verbindet und frei jenseits von Raum und Zeit leben will.
Ich trage diese Kraft der weiten Steppe nun in mir und habe erfahren, ich kann laufen soweit mich meine Füße tragen, es gibt keine Begrenzung, nur Weite, gehen, Erde berühren, da sein und mich auflösen in den Elementen. Leben so die Nomaden seit Urzeiten?

Susanne Weikl - Lebensgestaltung mit Huna - Weberweg 8 - 89233 Neu-Ulm - Telefon: 0731- 714772 - Email: suwei@arcor.de